Podarcis muralis nigriventris in Passau und Umgebung

Podarcis muralis nigriventris in Passau und Umgebung

ANGELIKA & SIEGFRIED TROIDL, Oktober 2004
Nachtrag von OTTO ASSMANN (letzte Seite)

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Vielen Herpetologen und Naturliebhabern ist die Population von Mauereidechsen (Podarcis muralis nigriventris) bei Passau bekannt. Es gilt als gesichert, dass diese Population auf Aussetzung Anfang des vorigen Jahrhunderts zurückzuführen ist. Früher galten diese Tiere als Angehörige der ssp. brueggemanni. Diese Unterart wurde von Böhme & Gruschwitz (1985, Handbuch) in die Synonymie von nigriventris gestellt. Vergleicht man diese Eidechsen mit Podarcis muralis nigriventris aus der Toskana, dann liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei den Passauer Tieren nicht um reinrassige "nigriventris" handelt.
Wegen der guten Lebensbedingungen konnten sich diese Eidechsen viele Kilometer entlang der Donauleiten (linke Donauseite) und auch einige Kilometer das Ilztal hinauf ausbreiten. In Passau konnten wir sehr viele dieser Eidechsen an den sonnenexponierten Fels- und Mauerabschnitten der Veste Oberhaus beobachten.

Die Donauleiten

Die bis zu 300 Meter hohen und überwiegend südlich ausgerichteten Berghänge der Donauleiten bieten ausgezeichnete Lebensbedingungen für einer Vielzahl von wärmeliebender Pflanzen und Tierarten. Somit ist das linke Donauufer zwischen Passau und Linz im Besonderen auch für die Reptilien ein bevorzugter Lebensraum. Seit 1986 sind die Donauleiten zwischen Passau und der Landesgrenze zu Österreich Naturschutzgebiet.
Wir hatten für unsere Exkursion einen etwa 200 Meter langen Abschnitt zwischen Erlau und Obernzell gewählt. Ein wichtiger Faktor für die Ausbreitung der Mauereidechsen scheint das Gleisbett am Fuße der Donauleiten zu sein. Zum einen bieten das Gleisbett und auch die an vielen Stellen vorhandene Stützmauer gute Sonnen- und Versteckplätzte und zum anderen können sich die Eidechsen entlang des Schienenstrangs sehr schnell vorwärts bewegen. Vor einigen Jahren ist der Betrieb der Bahn eingestellt worden. Uns war aufgefallen, dass das Gleisbett an einigen Stellen bereits stark zugewachsen ist (Abb.2). Eine zunehmende Verbuschung der Gleisanlage wird einen partiellen Rückgang der Eidechsen zur Folge haben.

Biotop Biotop
Abb. 1 An dieser sonnenexponierten Felswand konnten wir sehr viele Mauereidechsen beobachten. (Foto: 10/2002) Abb. 2 An einigen Stellen ist der Schienenstrang schon fast zugewachsen. (Foto: 10/2004)

Zurzeit ist die Mauereidechsenpopulation im Bereich der Bahnschienen sehr groß. An einer sonnenexponierten Felswand (Abb.1) oberhalb der Schienen, zählten wir vierzehn Tiere auf einer Fläche von geschätzten drei Quadratmetern. Dazwischen waren dann aber auch immer wieder Bereiche, in denen wir nur sporadisch einige Mauereidechsen antreffen konnten. Fast alle dieser Mauereidechsen hatten Schwanzregenerate. Eidechsen mit einem unversehrten Schwanz waren die Ausnahme.
Nachfolgend einige Eidechsen, die wir am Schienenstrang und an den angrenzenden Felswänden fotografiert hatten.

Podarcis muralis nigriventris Podarcis muralis nigriventris
Abb. 3 Podarcis muralis nigriventris (Jungtier)
Abb. 4 Podarcis muralis nigriventris (Männchen)

Podarcis muralis nigriventris Podarcis muralis nigriventris
Abb. 5 Podarcis muralis nigriventris (Männchen)
Abb. 6 Podarcis muralis nigriventris (Weibchen)

Podarcis muralis nigriventris Podarcis muralis nigriventris
Abb. 7 Podarcis muralis nigriventris (Männchen)
Abb. 8 Podarcis muralis nigriventris (Pärchen)

Podarcis muralis nigriventris
Abb. 9 Podarcis muralis nigriventris (Männchen)

Bei unserer Suche nach Mauereidechsen trafen wir gelegentlich auch Smaragdeidechsen (Lacerta viridis viridis) an. Diese hielten sich in unmittelbarer Nähe der Mauereidechsen auf. Wir konnten beobachten, wie eine juvenile Mauereidechse nur wenige cm vor einer Smaragdeidechse herumkletterte. Offenbar war sich die kleine Mauereidechse darüber bewusst, dass sie im Ernstfall der bessere Kletterer gewesen wäre. Die Smaragdeidechse zeigte sich völlig unbeeindruckt angesichts der Invasion dieser flinken Kletterer in ihrem Revier.

Lacerta viridis Lacerta viridis
Abb. 10 Lacerta viridis viridis (Männchen)
Abb. 11 Lacerta viridis viridis (Weibchen)

Auf unserem Rückweg entdeckten wir in einem beschatteten Bereich des Schienenstrangs drei junge Schlangen mit hellen sichelförmigen Flecken am Kopf. Noch bevor wir unsere Kamera "schussbereit" hatten, waren die Schlangen im Schotterbett unter den Schienen verschwunden. Da Ringelnattern (Natrix natrix) aber auch junge Äskulapnattern (Zamenis longissimus) über diese Flecken verfügen und beide Arten an den Donauleiten anzutreffen sind, bleibt unklar, um welche Art es sich gehandelt hatte. Auf einem Sandweg unterhalb der Schienen hatten wir dann mehr Glück und konnten eine männliche Schlingnatter (Coronella austriaca) fotografieren. Diese Schlangenart profitiert in direkter Weise von den Mauereidechsen, da diese ganz oben auf ihrem Speisezettel stehen.

Coronella austria
Abb. 12 Coronella austriaca (Schlingnatter)